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Anstehende Termine
28. September 2021, 19:00 Vortrag in der Niedermühle
Vortrag "Von Engelmachern und aufgeweckten Toten" von Günther Hilgemann, 19 Uhr, Niedermühle.
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4. Oktober 2021, 14:45 Frauentreff
Frauentreff, 14.45 Uhr, Martin-Luther-Haus.
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Die neuesten Berichte

Die Frauengruppe des Heimatvereins lädt am Montag (4. Oktober) um 14:45 Uhr in die ehemalige Gaststätte des Martin-Luther-Hauses ein. Im Anschluss an das Kaffeetrinken mit selbstgebackenem Rosinenbrot folgt ein Vortrag zum Thema „ Menschen als Kriminalitätsopfer“. Kriminalhauptkommissar Andreas Ewering von der Kreispolizeibehörde Steinfurt gibt Tipps und Hinweise, wie sich besonders ältere Menschen durch richtiges Verhalten vor betrügerischen Maschen wie Enkeltrick etc. schützen können. Die Frauen werden gebeten, Kaffeegeschirr und ein Tafelmesser mitzubringen. Die Veranstaltung findet nach den 3 G- Regeln statt.

Von Engelmachern und aufgeweckten Toten

Verfasst von R.Menebröcker, Dienstag, 21. September 2021, 11:10 Uhr in Allgemein.

Vortrag in der Niedermühle

Häuser sind stumme, steinerne Zeugen früherer Epochen. Aber durch die Menschen, die darin lebten und arbeiteten, können sie zum Reden gebracht werden. Die 1891 geborene Katharina Elise Schmidt, geborene Buck hat solche Geschichten im Jahr 1953 aufgeschrieben. Auf 19 handgeschriebenen Seiten hat die Burgsteinfurter Gastwirtstochter ein wahres Füllhorn an Geschichten aus ihrer Jugend ausgeschüttet. Stemmerter Geschichte und Geschichten, so könnte auch die Überschrift zu diesem Vortrag lauten, den Günther Hilgemann am 28. September um 19 Uhr in der Niedermühle halten wird.

In den Mittelpunkt ihrer Aufzeichnungen stellt Katharina Elise Schmidt ihren Vater Hermann Buck (1849–1909). Dieser kaufte 1879 den „Gasthof zur Post“ (Bild), das frühere Kaufhaus Vorgerd an der Steinstraße. Neben der Geschichte dieses Hauses und seiner Gäste geht es um das Brauerhandwerk, das Hermann Buck von der Pieke auf erlernt hat. Ein ausführliches Kapitel widmet sich auch der engen Familienbeziehung zu den Rolincks. Sehr viel Persönliches und Vertrauliches aus dem alten Stemmert erfährt der interessierte Zuhörer, was früher nur hinter vorgehaltener Hand weitererzählt werden durfte. Günther Hilgemann hat seinen Vortrag mit zeitgeschichtlichen Fotos reich bebildert, so dass das Aufgeschriebene an diesem Abend lebendig wird. Die Veranstaltung des Heimatvereins Burgsteinfurt findet in Kooperation mit dem Kulturforum statt. Für Mitglieder des Heimatvereins ist die Veranstaltung kostenfrei. Die Veranstaltung findet unter den aktuellen Coronabedingungen statt (3G – Nachweis erforderlich).

Wegekreuze - Zeugnisse des Volksglaubens

Verfasst von R.Menebröcker, Dienstag, 13. Juli 2021, 18:14 Uhr in Allgemein.

Von Gottfried Bercks

Wegebilder sind Zeugnisse der Volksfrömmigkeit. Ihre Stifter wollten nach außen bildhaft religiöse Zeichen des Glaubens setzen, nicht nur, um Gott und die Heiligen zu loben, sondern auch für sich um Hilfe in Notlagen zu bitten oder auch um ein Gelübde zu erfüllen. Dem Sünder waren sie Mahnung, dem Bösen Drohung und dem Ängstlichen verliehen sie Mut. Dabei ermunterte die bildliche Darstellung in Verbindung mit den Inschriften zum Gebet in freier Natur.

Diese Wegebilder sind als Wegekreuze oder Bildstöcke ein vertrauter und selbstverständlicher Bestandteil unserer münsterländischen Naturlandschaft und aus ihr auch nicht wegzudenken. Heute sollten sie nicht nur aus kunstgeschichtlicher Sicht, sondern auch als „Kostbarkeiten im Landschaftsbild“ betrachtet werden. 

Leider sind wegen der Besonderheit der reformierten Glaubenslehre Wegebilder in den Burgsteinfurter Bauerschaften Hollich, Sellen und Veltrup so gut wie nicht vorhanden.

Daher mein Apell: Setzen Sie sich für den Erhalt christlicher Bildnisse in der Natur ein. Sie sind nicht nur Denkmäler sondern landschaftsprägende Elemente.

Der Bildstock Austrup auch Brosius-Station genannt.

Am Nünningsweg -Verbindung der Horstmarer Straße in Burgsteinfurt mit der Gaststätte Nünningsmühle in Dumte- liegt auf Borghorster Gebiet der Hof Austrup. Ursprünglich hieß der Hof Vissing oder Vissmann, bis sich Johann Brosius, Sohn eines Burgsteinfurter Apothekers, hier einheiratete.

1926 hat die Familie Austrup, von Rheine kommend, den 280 Morgen großen Hof von Max Brosius gekauft. Das jetzige zweigeschossige Wohngebäude war zu dem Zeitpunkt erst im Rohbau fertig und sollte laut Planung für den Schwiegersohn von Max Brosius, Dr. Glasmeyer, eine privat geführte Landwirtschaftsschule werden. Durch den wahrscheinlichen Zwangsverkauf ist es dann allerdings zu dieser Nutzung nicht mehr gekommen.

Der Bildstock, als barocker Gehäusetyp, steht an der östlichen Seite des Nünningsweges, an der Einmündung eines Feldweges, der zu Wiesen und Äckern und im weiteren Verlauf zur Eisenbahnbrücke über die Steinfurter Aa führt.

Auf einem 1.25 mal 0.30 mal 0.65 Meter Sandstein Grundsockel steht der dreigegliederte Bildstock, der zwei übereinanderstehende rechteckige Gefache von 0.90 mal 0.65 mal 0.43Meter hat, die oben durch einen 0.40 m hohen Halbkreisbogen mit aufgesetzter Kugel und Kreuz abgeschlossen werden. Beide Gefache sind durch überstehende Gesimse abgedeckt und durch mit Glockenblumengehänge verzierte Sandsteinquader seitlich begrenzt.

Im oberen Gefach befindet sich eine vollplastisch ausgearbeitete Darstellung des Kreuz tragenden Christus. Dargestellt wird die Szene, wo Christus unter dem Kreuz zusammenbricht. Mit beiden Knien ist Jesus zur Erde gesunken und stützt sich mit der linken Hand auf einem Steinblock ab, während sein Gesicht voll dem Betrachter zugewandt ist.

Das untere Gefach ist durch folgende Inschrift oder Gebet ausgefüllt.

Erbarm Dich der armen Seele im Fegefeuer

„Jesu, Dein Kreuz, Jesu, Dein Joch.

Wie sanft und lieblich ist es doch.

Es ist mein Kraft, es ist mein Ehr,

es ist mein Trost, je mehr und mehr.

Sei Du mein Heil, sei Du mein Schutz,

dass mir Dein Leiden komm zu Nutz.

Und mir mein Sünd und Schuld verzeih

und mir dein göttlich Huld verleih.

So dir vom Leib scheidt hin mein Seel

nimm hin zu dir aus Angst und Fehl,

o Jesu Christ, erbarm dich mein.

Ewiges Heil gibt mir der Glauben dein.

Wenn mich , o Herr, mein Sünd anklagt,

Sei mein Jesus, verlaß mich nicht.

Sei mein Jesus zu kranker Stund,

Sei mein Jesus, wenn ich bin gesund.

Vater unser – Ave Maria“

           Anno 1757

In dem Halbkreisbogen sind die Leidenswerkzeuge Christi dargestellt wie Hammer, Zange, Lanze, Schwert, Nägel und Dornenkrone.

Auf der Rückseite des Bildstocks ist auf die Restaurierung 1926 durch Heinrich Austrup und Antonia Einhaus und auf eine weitere Restaurierung 1983 durch Wilhelm, Heinrich, Aloys und Antonia Austrup hingewiesen. Die letztere Restaurierung ist wohl von dem Nordwalder Bildhauer Walter Lamkemeyer erfolgt, der den Bildstock unter möglichst genauer Anlehnung an das verwitterte vorhandene Gehäuse in Ibbenbürener Sandstein erneuert hat, wobei leider kleinere Vereinfachungen im Detail unterliefen.

Vor 1983 hatte der Bildstock noch ein umgebendes Gitter, was danach allerdings nicht mehr aufgestellt wurde, Nach Auskunft von Frau Antonia Austrup, 2005, die bis zu ihrem Tode mit viel Liebe den Bildstock und seine Umgebung gepflegt hat, soll im Fundament des Bildstocks eine kupferne Urne mit Urkunde eingemauert sein, deren Inhalt ihr allerdings nicht bekannt war.

Wenn jetzt der Nünningsweg zu einer Fahrradstraße ausgebaut wird, wäre es vielleicht ganz sinnvoll, dem Bildstock mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

 


 

Jahresfahrt auf 2022 verschoben

Verfasst von R.Menebröcker, Dienstag, 18. Mai 2021, 18:10 Uhr in Allgemein.

Im vergangenen Jahr wurde die große Erlebnisfahrt mit dem Heimatverein im August schon abgesagt. Leider muss auch die für 2021 geplante Fahrt ausfallen. Die Organisatoren teilen mit, dass aufgrund der aktuell noch geltenden Regelungen zur Corona-Situation und den damit verbundenen Einschränkungen und Unsicherheiten bei der Busfahrt, bei den Ausflügen, bei den Führungen und beim Hotel- und Gaststättenaufenthalt, eine Durchführung der Reise nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist. Spaß und Freude soll eine Fahrt bringen, ist aber unter diesen Umständen nicht möglich. Deshalb wird die Fahrt in den Schwarzwald mit dem gleichen Programm in das Jahr 2022 verschoben. Neue Zeiten werden rechtzeitig bekanntgegeben. Die Organisatoren hoffen, daß sich die Situation zunehmend bessert und im nächsten Jahr die Fahrt mit viel Spaß und Freude durchgeführt werden kann.

Abitur für Frauen - ungeheuerlich

Verfasst von R.Menebröcker, Donnerstag, 11. März 2021, 10:41 Uhr in Allgemein.

Reifeprüfung für Viktoria und Elisabeth zu Bentheim und Steinfurt um die Jahrhundertwende

Von Günther Hilgemann

 
Die Fürstenfamilie im Jahr 1904.  

Jährlich werden am Weltfrauentag Mahnungen wegen der Ungleichbehandlung von Mann und Frau laut. Die gymnasiale oder gar akademische Bildung von Mädchen war bis vor rund 125 Jahren ein gesellschaftliches Tabuthema. Erst 1893 wurde in Karlsruhe das erste deutsche Mädchengymnasium eröffnet. Das Projekt drohte zu scheitern, denn Vertreterinnen der Frauenbewegung liefen auf, um sich das „ungeheure Geschehen" anzuschauen. Mädchen konnten nicht so belastbar sein und sich unmöglich ernsthaft in Lerninhalte vertiefen wie Jungen. Schließlich galt es als unschicklich, wenn Frauen sich in geistige Arbeit vertieften.
Am Burgsteinfurter Gymnasium Arnoldinum waren es Emmy Cohen und Margarete Scheele, die 1925 als erste Frauen ihr Abitur ablegten.Prinzessin Viktoria zu Bentheim und Steinfurt (1887-1961) war das vierte von acht Kindern des Fürstenpaares Alexis und Pauline von Waldeck-Pyrmont. Viktoria und ihre ein Jahr jüngere Schwester Elisabeth wurden wie damals in Adelskreisen üblich von Privatlehrern unterrichtet. Der Wunsch, das Abitur zu machen, war zu jener Zeit fast utopisch. Mädchen am alt-ehrwürdigen Arnoldinum zuzulassen, war um 1900 undenkbar. Auf Drängen ihrer Tante Emma (Königin der Niederlande) durften die beiden Schwestern schließlich das Gymnasium Hammonense in Hamm besuchen. Aufgrund des gemeinsamen reformierten Bekenntnisses hatten schon seit dem 17. Jahrhundert enge Beziehungen zur Hohen Schule zu Burgsteinfurt bestanden.
Nach dem erfolgreichen Abitur 1912 war die Frage eines Studiums die nächste Klippe. Wieder war es die Königliche Tante, die bei der Verwandtschaft am preußischen Hof in Berlin vorsprach. Viktoria durfte sich mit kaiserlicher Sondergenehmigung an der Technischen Hochschule Berlin für ein Architekturstudium einschreiben. Schwester Elisabeth wurde Meisterschülerin eines bekannten Malers.

Als nach dem Ende der Kaiserzeit und den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen auch die adelige Welt zu

sammenbrach, suchte Viktoria in der immer noch heilen Welt von Burgsteinfurt nach beruflichen Aufgaben. Zunächst entwarf sie für die Schlossmühle, die als unscheinbarer Zweckbau mit Verfallserscheinungen mehr zum Schandfleck gegenüber dem Schloss geworden war, neue Pläne. Ein zweites Geschoss mit ortsüblichem Fachwerk wurde aufgesetzt. Seit genau 100 Jahren präsentiert sich das markante Gebäude heute noch in der gleichen Gestalt. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Erinnerung an die Gefallenen wachgehalten werden sollte, plante die Evangelische Kirchengemeinde eine Gedenkstätte an der Großen Kirche. Pläne von namhaften Architekten fanden keinen Zuspruch. Als eine Skizze der Prinzessin auftauchte, war die Begeisterung groß. 1922 wurde das Ehrenmal eingeweiht.

Die Initialen der Entwurfsverfasserin am Sockel des Ehrenmals im Bagno: VB.

Foto: Hilgemann

Es fehlte eine Gedenkstätte auch für Überkonfessionelle. Ein Grundstück am Bagnoeingang eingang stellte der Fürst zur Verfügung. Die Ablehnung der Prinzessin, auch hier einen Entwurf zu fertigen, muss man wohl als Glaubensfrage einordnen.
Als aber die Entwürfe von auswärtigen Architekten durchfielen, bekniete man erneut die Prinzessin. In der Sitzung des Denkmalausschusses vom 16. Mai 1926 konnte der Vorsitzende mitteilen, dass die Prinzessin Viktoria zu Bentheim und Steinfurt einen Entwurf für das Kriegerehrenmal angefertigt habe. Beide Ehrenmale - im Bagno und an der Großen Kirche - tragen im Sockel die eingemeißelten Initialen VB, Victoria Bentheim.
1935 zog Victoria nach Mittenwald in Oberbayern, wo sie fernab der Familie als Privatarchitektin arbeitete.Dort setzte sie sich auch für die Opfer der Nazi-Herrschaft ein. In ihrem Haus beherbergte sie unter Lebensgefahr eine geflüchtete Jüdin. 1961 starb sie im Alter von 74 Jahren in Garmisch-Patenkirchen.