Sie sind nicht angemeldet.

Detaillierte Historie

Ein Rückblick auf 75 Jahre Heimatverein

75 Jahre Heimatverein Burgsteinfurt Anno 2002
Am 13.03. 1927 fand in Burgsteinfurt der 1. Münsterländische Heimattag des Westfälischen Heimatbundes statt. Er wurde von dem zwei Jahre zuvor gegründeten Gau Münsterland im Heimatbund durchgeführt. Dass dieser Tag, der mit 136 Teilnehmern aus dem ganzen Münsterland sehr gut besucht war, in Burgsteinfurt stattfand, war sicherlich auf den Einsatz des damaligen Bürgermeisters Emil Herberholz zurückzuführen, der damit der Heimatbewegung in seiner Stadt einen starken Anschub geben wollte. Die Veranstaltung fand ein sehr positives Echo und bereitete dadurch den nächsten von Herberholz geplanten Schritt vor.
Begleitet wurde der Heimattag von einer Beilage des Steinfurter Kreisblattes, in der der damalige Stadtarchivar Karl Döhmann aus der Geschichte einiger alter Häuser von Burgsteinfurt berichtete. In zunächst unregelmäßigen Abständen folgten danach immer wieder Sonderseiten mit heimatkundlichen Berichten, die soviel Anklang fanden, daß sie bald regelmäßig unter dem Namen „Steinfurter Heimatbote“ erschienen und der Heimatbewegung ein unüberhörbares Sprachrohr boten.
Am 28. Juni 1927 rief der 1901 gegründete Verkehrsverein Burgsteinfurt seine Mitglieder zu einer Versammlung zusammen, um ihr den Vorschlag zu machen, den Namen in Verkehrs- und Heimatverein Burgsteinfurt zu ändern. Dies sei sinnvoll, so führte der damalige Vorsitzende, Bürgermeister Emil Herberholz, aus, weil der Verein heute neben der Förderung von Verkehr und Industrie auch die Heimatpflege, Heimatliebe und Verschönerung des Stadtbildes zu seinen Aufgaben zähle. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Dieser Zeitpunkt, an dem sich der Verkehrsverein Burgsteinfurt mit der Wahrnehmung der Heimatpflege neue Aufgaben gab, ist der Tag, den der Heimatverein Burgsteinfurt als den Beginn seiner Tätigkeit ansehen kann.
Dem vielversprechenden Neuanfang war aber nur eine kurze Blüte beschieden. Schon im folgenden Jahr trat Bürgermeister Herberholz vom Amt des Vorsitzenden des neu formierten Vereins zurück. Er begründete dies neben Arbeitsüberlastung damit, „dass die vielseitigen und uneigennützigen, dem Wohle der Stadt gewidmeten Bestrebungen des Verkehrs- und Heimatvereins bei weitem nicht die Unterstützung der Bürgerschaft gefunden haben, die der Verein wohl verdient hätte.“ Als Nachfolger von Herberholz wurde Kreisbaurat Gustav Hübner gewählt, der von dem Syndikus Dr. Honigmann vertreten wurde.
Im November 1928 fand der erste vom Verkehrs- und Heimatverein gestaltete Heimatabend statt. Obwohl der Besuch nur mäßig war, konnte auf diese Weise eine Tradition begründet werden, die bis in unsere Tage erfolgreich weitergeführt wurde. Es kann den Verein mit großer Freude erfüllen, dass er einen solchen Heimatabend auch als Teil der Festwoche zum Jubiläum anbieten kann. Die ersten Veranstaltungen fanden im Saal des Ludwigshauses statt und über ihren Inhalt wird so berichtet: „Humorvolle plattdeutsche Vorträge, prächtig, vorgetragen, wechselten ab mit reizenden, lustigen und graziösen Volkstänzen unserer Jugend und mit anerkennenswert künstlerisch ausgeführten Musikvorträgen eines kleinen Streichorchesters“.
Am 28. März 1930 wurde nach dem Rücktritt von Kreisbaurat Hübner der Landwirtschaftsrat Borgerding zum ersten Vorsitzenden gewählt.
 
Bereits 1930 hatte der Verkehrs- und Heimatverein eine besondere Kommission für den Blumenschmuck eingesetzt, die bei dem Wettbewerb die Häuser und Vorgärten besichtigten und die zur Verfügung gestellten Preise verteilten. Ziel war es, das Stadtbild, insbesondere an den Hauptstraßen zu verschönern und für Reisende ansprechend zu gestalten. Bereits zu dieser Zeit bestand in dieser Sache eine Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein. Die Tradition des Blumenschmuckwettbewerbs die verbindet Heimatpflege und Verkehrsförderung in idealer Weise.
Ebenfalls 1930 ließ der Verkehrs- und Heimatverein unter der Rotbuche am Eingang des Bagno eine Ruhebank aufstellen. Das Engagement, das der Heimatverein auch heute noch dem Bagno und seiner Weiterentwicklung durch die Regionale entgegenbringt, hat also schon sehr frühe Wurzeln in der Tradition des Vereins. Das Aufstellen von Ruhebänken machte sich der Verein im weiteren Verlauf sehr zu eigen, so dass 1934 bereits 20 Stück ihren Platz im Ort gefunden hatten.
Ende Juni 1931 reisten 70 Personen auf Einladung des Verkehrs- und Heimatverein nach Enschede und verlebten dort einen interessanten Tag. Mit dieser erfolgreichen Reise begann die die Reihe von Fahrten, die die Mitglieder des Heimatvereins bis heute aus ihrer engeren Heimat herausführten, um sie mit den Schönheiten des Münsterlandes und Westfalens bekannt zu machen. Diese Fahrt fand soviel Anklang, dass man 1932 bereits drei Fahrten in die Baumberge, nach Bentheim und nach Bad Rothenfelde unternahm. Seitdem ist dieses Angebot aus dem Spektrum des Heimatvereins nicht mehr wegzudenken.
Am 12. Mai 1933 wurde der 1932 neu gewählte Bürgermeister Dr. Walter Schumann, der durchaus als strammer Nationalsozialist zu gelten hat, zum neuen Vorsitzenden des Verkehrs- und Heimatvereins gewählt. Durch eine neue Satzung erhielt der Verein auch einen neuen Namen: „Heimat- und Verkehrsverein für Stadt und Amt Burgsteinfurt“. Das Heimatliche sei das Primäre, so wurde betont, habe man eine schöne Heimat, so ergäben sich daraus von selbst die Bestrebungen um Verkehrsverbesserung und Verkehrsförderung.
Dr. Schumann entwickelte als Bürgermeister große Aktivitäten zur Hebung des Fremdenverkehrs, der ihm ein wichtiges wirtschaftliches Standbein für die Stadt zu bieten schien. Er sorgte auch dafür, dass der Verein nunmehr im NS-Geist geführt werden sollte. Die ein Jahr nach seiner Wahl beschlossene und von ihm im Sinne des Führerprinzips geänderte Satzung des Vereins begann mit den Worten: „Der Verein will die heimatliche Natur und Kultur pflegen, für die Verschönerung von Stadt und Amt Burgsteinfurt nach Kräften Sorge tragen, die Idee der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft und Bodenverbundenheit in treue Obhut nehmen und sich für die Verbreitung dieser Gedanken einsetzen, um die Liebe zur Heimat, zu Volk und Vaterland in seinem Wirkungskreis zu festigen und zu fördern.“ Es versteht sich von selbst, dass spätere Satzungen nur einen Teil dieser Verpflichtungen übernahmen.
Seit 1934 erschien der Steinfurter Heimatbote auf Initiative des Heimat- und Verkehrsverein in neuer Form, die eine bessere getrennte Sammlung erleichtern sollte. Die redaktionelle Arbeit wurde vom Verein in großem Umfang getragen.
1935 machte sich der Verein u.a. zur Aufgabe, das „Süße Brünnchen“ im Bagno wiederherzustellen und den Ausbau der Bagnowirtschaft zu fördern. Im gleichen Jahr wurde die Eingliederung (Gleichschaltung) des Vereins in die nationalsozialistische Kulturgemeinde, die vom NS-Kreiskulturwart, Dr. Friedrich Castelle, gefordert wurde, diskutiert, jedoch nicht vorgenommen. Ein Jahr später wurde festgelegt, dass der Verein seine Selbständigkeit behalten sollte, die Veranstaltungen von Musik, Volkstum und Heimat, Theater usw. jedoch durch die Kulturgemeinde organisiert werden sollten. Dafür habe der Heimat- und Verkehrsverein einen Beitrag von 10 Pf. je Mitglied zu überweisen. Die Bearbeitung von Verkehrsangelegenheiten sollte künftig durch die Stadtverwaltung erfolgen. Damit war zumindest eine weitgehende Kaltstellung des Vereins erfolgt. Bereits 1937 stellte der Vorsitzende des Vereins jedoch fest, dass diese Regelung „dem Heimatgedanken und damit dem Verein nicht ganz dienlich ist“, und empfahl, künftig wieder eigene Veranstaltungen durchzuführen. Gleichzeitig bemühte er sich jedoch erfolgreich darum, Vertrauensleute von NS-Organisationen wie der Hitlerjugend oder der Deutschen Arbeitsfront, in die Vorstandsarbeit einzubinden.
Im Dezember 1939 ruft der Verein zusammen mit der Stadtverwaltung dazu auf, den zum Heeresdienst eingezogenen Burgsteinfurtern ein kleines Feldpostpaket zu Weihnachten zu übersenden. Auch in den nächsten Kriegsjahren wird entsprechend verfahren. Andere Aktivitäten führt der Verein in dieser Zeit nicht durch. Mit Kriegsende ruht auch die Vereinsarbeit.
Obwohl der Landrat bereits im Oktober 1945 wieder zur Heimatarbeit aufrief, sprach sich der städtische Beirat im Oktober des Jahres gegen eine Neubelebung des Heimatvereins aus, „da im Augenblick dringendere Aufgaben zu lösen sind“. 1946 versuchte Kreisheimatpfleger Herberholz, die Heimatbewegung auf Kreisebene wiederzubeleben, doch erst Anfang 1947 kam es zu einer Tagung mit Vertretern der Heimatvereine des Kreises, darunter auch aus Burgsteinfurt. Am 27.04.1947 fand schließlich die erste Generalversammlung des Heimatvereins nach dem Kriege im Parkhotel Möller statt. Den Vorsitz übernahm zunächst der frühere Vorsitzende Emil Herberholz, da Dr. Schumann wegen der notwendigen Entnazifizierung nicht mehr zur Verfügung stand.
Schon bald setzte sich der Verein für die Eingliederung der Vertriebenen aus den Ostgebieten, indem er z.B. 1947 einen Schlesierabend veranstaltete.
Weiterhin werden Stadtführungen durch den Verein vorgenommen, für die Hermann Kaul gewonnen werden konnte.
Trotz intensiver Bemühungen gelang es dem Vorsitzenden Herberholz nach seiner Ansicht nicht ausreichend, die Vereinsarbeit in der Bevölkerung und in der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen zu beleben. Er legte daher am 25.07.1949 den Vorsitz nieder. Dabei wird sein hohes Alter eine große Rolle gespielt haben.
Nachdem Dr. Kasemeyer, der allgemein als der am besten geeignete Nachfolger angesehen wurde, jedoch wegen seiner Arbeitsbelastung den Vorsitz nicht übernehmen konnte, den Verein übergangsweise geführt hatte, wurde Hermann Kaul am 14.11.1949 zum neuen Vorsitzenden gewählt. Bürgermeister a.D. Emil Herberholz wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Im gleichen Monat erschien die erste Ausgabe des Steinfurter Heimatboten wieder. Die Redaktion hatte der frühere Kreiskulturwart, Dr. Friedrich Castelle, übernommen. An seiner Seite stand Frau Kasemeyer.
Über das erste reguläre Vereinsjahr nach dem Kriege berichtete Hermann Kaul auf der Jahresgeneralversammlung am 19.2.1951: „Wir haben Besucher in mehr als 50 Führungen, deren Last auf nur wenigen unserer Vorstandsmitglieder lag, in persönlicher Fühlungnahme an die Schönheiten der ‚Perle des Münsterlandes‘ herangebracht... Wenn unsere holländischen Freunde in der Zahl der Besucher ganz besonders hervorragen – wir haben fast 5000 geführt –, so erfüllt uns das mit besonderer Freude... Der Vorstand gemeinsam mit dem Beirat tagte neunmal in drei- bis vierstündigen Besprechungen. Fragen der Heimat, des Kulturellen, der Werbung und des Verkehrs wurden in eingehender Aussprache behandelt und die wesentlichen Ergebnisse der Mitgliederversammlung unterbreitet. Ging diese Arbeit von der Öffentlichkeit weniger beachtet vor sich, so darf die Tatsache des ausgezeichneten Besuches der sechs öffentlichen Mitgliederversammlung und der zwei Autofahrten als unumstößlicher Beweis dafür angesehen werden, dass unsere Ziele bei breiten Bevölkerungsschichten wesentlichem Interesse begegneten, nahmen doch an diesen Veranstaltungen insgesamt fas 2000 Mitbürger teil. Vorträge aus der Geschichte der Stadt, über unsere Straßennamen, über Bauernhaus und Bauernkultur, über Jugend und Gartenbau, über die Gestaltung unserer Friedhöfe, über den Wiederaufbau an der Flintenstraße, über die Siedlung am Wasserturm stellten Probleme des Heimatlichen in den Vordergrund. Die Gemeinschaftsfeier ‚Ost und West in Wort und Lied‘ führten beide Kulturkreise auf die eine gemeinsame Ebene: Wie schön ist unsere Heimat, wie tief lieben wir sie.“
In der gleichen Sitzung beschloss der Verein eine neue Satzung, die die nationalsozialistische von 1934 ersetzte. Getrennt in die beiden Aufgabenbereiche Heimatverein und Verkehrsverein legte die Satzung zeitgemäße Ziele fest, wobei die Heimatpflege eindeutig im Vordergrund stand. Nach Genehmigung der Satzung wurde der Verein 1951 in das Vereinsregister eingetragen.
Die Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre Heimat- und Verkehrsverein“ am 28.09.1951 fand großen Anklang. Im Zentrum des Abends stand die Vorführung einer Lichtbildreihe „Burgsteinfurt, wie es war und wie es heute ist“, die von den Herren Bercks und Kiepker zusammengestellt worden war.
Im gleichen Jahr wurde erstmals seit dem Krieg wieder eine Blumenschmuckkommission in Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein gebildet, die 1952 erstmals Dankschreiben an besonders vorbildliche Eigentümer versandte. Seit dieser Zeit gehörte der Leiter des Kreislehrgartens, Hermann Greiwe, zum Beirat des Vereins. Zu einer Prämierung kam es dann seit 1953, nachdem die Vereine und die Stadt einige Sachpreise zur Verfügung gestellt hatten.
Schon im Frühjahr 1951 hatte der Verein eine erste Wanderung in die nähere Umgebung angeboten, die regen Zuspruch fand. Seit 1954 wurden diese Wanderungen unter der Leitung von Fritz Hilgemann immer wieder angeboten. Die Frühjahrswanderung wurde fest auf den Karsamstag verlegt und bildet unter der Führung von Hans Raeker bis heute traditionell einen Fixpunkt im Veranstaltungsprogramm des Heimatvereins.
Besondere Beachtung fanden in diesen Jahre die Berichte, die Stadtdirektor Heinrich Naber regelmäßig bei den Versammlungen des Heimat- und Verkehrsvereins gab. Er stellte die Planungen der Stadt vor, berichtete über stattgefundene Veränderungen und nahm auch Beschwerden und Anregungen der Bürger auf. Auf diese Weise nahm der Verein regen Anteil am aktuellen Geschehen in der Stadt.
Im Jahr 1955 fand der erste Schnatgang des Heimat- und Verkehrsvereins statt, an dem die Stadtgrenze in mehreren Abschnitten erwandert wurde und so mit ihren Markierungen wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt wurde. Auch die erste der Wasserburgenfahrten, die in den folgenden Jahren jeweils großen Anklang fanden, wurde unter Leitung des damaligen Stadtarchivars Fritz Hilgemann durchgeführt. Am 4. 9.1955 fand schließlich mit Fritz Hilgemann die erste sog. Päddkesfahrt statt, eine Fahrradtour auf den kleineren Wegen unserer Heimat. Die Tradition dieser Fahrten wird bis heute vom Heimatverein in der Person von Hans Raeker sehr rege gepflegt. Ebenfalls 1955 startete der Verein eine Ruhebankaktion, in deren Verlauf bis 1957 zwanzig neue Bänke aufgestellt werden konnten.
Die Auszeichnung der örtlichen Wanderwege wurde 1958 durch drei Heimatfreunde vorgenommen, die über 40 km Wanderstrecken rund um Burgsteinfurt bearbeiteten.
1958 richtete Stadtarchivar Fritz Hilgemann im Alten Rathaus eine Heimatstube ein, in der ein Teil der Heimatsammlung gezeigt wurde. Diese Sammlung war bereits um 1910 durch den Bürgermeister Herberholz begonnen worden und hatte schon in der Vorkriegszeit manchen Zuwachs erfahren. Seit Mitte der 50er Jahre konnte Fritz Hilgemann durch gezielte Sammelaktionen, insbesondere in den Bauerschaften, sehr viel zusätzliches Material für die Heimatsammlung erwerben. Da im Alten Rathaus die Räumlichkeiten dafür nicht ausreichten, begannen 1960 Bemühungen durch den Verein, ein Heimatmuseum für Burgsteinfurt einzurichten. Immer wieder wurden Objekte vorgeschlagen, die für eine Unterbringung in Betracht kamen. Es sollte jedoch bis 1987 dauern, bis das Museum endlich im sog. Behördenhaus an der Ecke Flintenstr./An der Hohen Schule eröffnet werden konnte.
Am 27.01.1962 fand in der Gartenwirtschaft Teepe das erste Buchweizenpfannkuchenessen des Vereins statt. Die von Frau Teepe unter Mithilfe der Ehefrauen der Beiratsmitglieder Greiwe und Hilgemann sowie Erna Menke auf verschiedene Arten zubereiteten Kuchen, die in Verbindung mit heimatlichen Beiträgen angeboten wurden, schmeckten den Heimatfreunden so sehr, dass diese Veranstaltung bis heute in ungebrochener Tradition beibehalten wird. Schon 1963 wurde das Buchweizenpfannkuchenessen als sog. Küeraobend gestaltet, in dem die Heimatfreunde in zwangloser Form heimatliche Themen diskutierten.
In der Generalversammlung am 10.12.1963 legte Hermann Kaul aus Altersgründen den Vorsitz des Vereins nieder. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Während seiner Amtszeit war die Mitgliederzahl des Vereins von 170 im Jahre 1949 auf 350 im Jahre 1963 gestiegen.
Zu seinem Nachfolger wurde Dr. Karl-Ferdinand Mey gewählt.
In der Folgezeit veranstaltete – vor allem unter der Führung von Fritz Hilgemann – der Verein zahlreiche Wanderungen, Radtouren und Autobusfahrten in die nähere und weitere Umgebung von Burgsteinfurt. Diese Veranstaltungen zeigten immer regen Zuspruch und festigten die Stellung des Heimatvereins in der Bevölkerung sehr.
Die Mitgliederzahl konnte auf diese Weise ständig gesteigert werden. Die zunehmende Inanspruchnahme Hilgemanns durch Aufgaben innerhalb der Stadtverwaltung führten Ende der 60er Jahre zu einem Rückgang der Veranstaltungen, der sich auch in einem Rückgang der Mitgliederzahlen bemerkbar machte.
Der letzte Blumenschmuckwettbewerb fand im Jahre 1969 statt. Durch den zunehmenden Wohlstand waren immer mehr Bürger bereit und in der Lage, ihre Grundstücke mit gärtnerischem Schmuck zu versehen. Die Fülle des Angebotenen, aber auch Zurechnungsschwierigkeiten, veranlaßten die beiden Vereine zur Aufgabe dieses traditionellen Wettbewerbs.
Auf der Jahreshauptversammlung am 4. Dez. 1969 wurden die ersten Weichen zu einer Aufteilung des Vereins gestellt. Der Beirat erhielt eine besondere Sektion Verkehrsverein, an deren Spitze der stellvertretende Vorsitzende, Spediteur Heinrich Rummeling, trat. Für diese Sektion wurden acht bis zehn Mitglieder aus dem Einzelhandel, den Geldinstituten und der Gastronomie vorgesehen. Der Vorsitzende plädierte für die Herausnahme der künftigen Verkehrsaufgaben aus dem Bereich der Stadtverwaltung. Künftig solle im Alten Rathaus ein Verkehrsbüro eingerichtet werden. Die Versammlung ermächtigte den Vorstand entsprechende Vereinbarungen mit der Stadtverwaltung zu treffen.
Am 19.10.1970 wurde mit der regelmäßigen Veranstaltung von Küeraobenden begonnen. Neben Berichten über durchgeführte Wanderungen standen auch Diskussionen über aktuelle Fragen der Stadtentwicklung auf dem Programm. Aber auch heimatliche und niederdeutsche Beiträge fehlten nicht. Die Abende sollten künftig monatlich abgehalten werden; dies gelang jedoch nicht durchgängig. Die Leitung der Küeraobende übernahm zunächst Josef Bercks, seit 1973 war Erna Menke sein Nachfolger. Die Wanderungen und Fahrten wurden in dieser Zeit durch Werner Walterbusch und Hans Raeker geführt.
Auf der Hauptversammlung am 18.02.1972 legte Dr. Karl-Ferdinand Mey sein Amt als Vorsitzender nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Bankdirektor Friedrich David gewählt. Günther Hilgemann wurde sein Stellvertreter. Zentrales Thema der Amtszeit von Friedrich David wurde das Heimatmuseum. Immer wieder wurden Gespräche mit Politikern, Bürgern und Vertretern der Verwaltung geführt, um der Verwirklichung dieses Ziels des Vereins näher zu kommen. Erst 1981 konnte mit dem sog. Behördenhaus der endgültige Standort für das Museum gefunden werden.
Die große Zahl der Veranstaltungen, Wanderungen und Fahrten führte dem Verein ständig neue Mitglieder zu. So wurde 1977 die Zahl von 450 erreicht und im Juni 1982 konnte das 500. Mitglied aufgenommen werden.
1977 fand die letzte der sog. Frankenfahrten des Heimat- und Verkehrsvereins statt, die von Fritz Hilgemann geleitet wurden und diese reizvolle deutsche Landschaft den begeisterten Teilnehmern nähergebracht hatten.
Die erste Pättkesfahrt mit Heimatabend auf Juist führte Werner Schroer im September 1978 durch. 51 Heimatfreunde nahmen daran teil. In den folgenden Jahren wurde diese Fahrt wegen des großen Erfolgs regelmäßig unternommen. 1991 fand sie zum letzten Mal statt.
Auf der Jahreshauptversammlung am 06.05.1980 wurde beschlossen, den Namen des Vereins zu ändern in „Heimatverein Burgsteinfurt e.V.“. Diese Änderung war notwendig geworden, da 1979 der Verkehrsverein Steinfurt gegründet worden war, der nunmehr für die Gesamtstadt die Aufgabe der Verkehrsförderung übernahm.
Nach dem Tod von Josef Bercks wurde der Steinfurter Heimatbote zunächst eingestellt.
Im Oktober 1981 übernahm Ernst Behrning die Leitung der Küerabende. Er brachte 1982 die Restaurierung der Hollicher Mühle als mögliche Aufgabe des Vereins ein, musste aber erkennen, dass die Museumseröffnung als wesentlich ältere vorrangig zu verwirklichen sei. Seit diesem Jahr wurde – besonders durch Oskar Prinz zu Bentheim und Steinfurt – intensiv an der Vorbereitung der Eröffnung des Museums gearbeitet. Ab 1984 unterstützte ihn dabei Stadtarchivar Hans-Walter Pries auch als Beiratsmitglied.
Durch den Küer-Baas des „Plattdütsken Krink“, wie sich die regelmäßigen Gäste der Küerabende jetzt nannten, Ernst Behrning, wurde mehrere Herdfeuerabende veranstaltet, auf denen Neujahrskuchen gebacken wurden.
1983 versuchte Ernst Behrning, den Steinfurter Heimatboten wieder aufleben zu lassen. Nach wenigen Ausgaben mußte er jedoch wegen fehlender Beiträge sein Erscheinen endgültig einstellen.
1984 arbeitete Gottfried Bercks einen Rundweg für Radfahrer um Borghorst und Burgsteinfurt aus und markierte die 45 km selbst.
1985 organisierte Ernst Behrning in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Horstmar eine Osterausstellung, die so guten Anklang fand, dass sie seitdem regelmäßig durchgeführt wird.
An der Ausrichtung des Osterfeuers 1986 beteiligte sich der Heimatverein zum ersten Mal.
Im Jahre 1987 machte Ernst Behrning erstmals den Vorschlag, eine Renovierung der Niedermühle durchzuführen, damit der Heimatverein ein eigenes Domizil vorweisen könne. Mit Rücksicht auf die laufenden Vorbereitungen für das Museum wurde dieser Vorschlag zunächst zurückgestellt.
Am 10.12.1987 konnte endlich das Heimatmuseum feierlich eröffnet werden. Dem Heimatverein, der in einem Organisationsvertrag mit der Stadt die Betreuung des Museums übernommen hatte, gelang es zwar nicht, Prinz Oskar dauerhaft für die Leitung des Museums zu gewinnen. Die engagierte Betreuung der Besucher übernahmen dafür die Heimatfreunde Frau Wellmeyer und Herr Kortemeyer sowie – zunächst vertretungsweise, heute ständig – Frau Villnow. In den Jahren 1994-2001 wirkte Werner Walterbusch mit großem Einsatz bei der Betreuung mit. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die ehem. Schuhmacherwerkstatt Teupen/Quast in das Museum eingebracht werden konnte.
Am 26.10.1988 trat Friedrich David aus gesundheitlichen Gründen als Vorsitzender zurück. Die Geschäfte nahm zunächst der 2. Vorsitzende, Günther Hilgemann, wahr, der am 22.02.1989 auch zum Vorsitzenden gewählt wurde.
Der große Heimatabend, der unter dem Motto „So klingt’s bi uns in Stemmert“ am 27.10.1989 im Martin-Luther-Haus stattfand, war ein großer Erfolg. Unter Leitung von Ernst Behrning traten Musik- und Tanzgruppen auf. Neben plattdeutschen Darbietungen waren das Dreschen und vor allem ein Hochzeitszug mit Hochzeitsbitter die Höhepunkte des Abends.
Am 31.12.1989 hatte der Verein 615 Mitglieder.
Für das Jahr 1990 legte der Heimatverein sein erstes Jahresprogramm vor, das seitdem regelmäßig die Veranstaltungen des Vereins zusammenfasst und der Bevölkerung bekanntmacht. Das Osterfeuer wurde mit Beiprogramm wesentlich vom Heimatverein gestaltet. Die Ganztagsradfahrten wurden ebenso fortgesetzt wie die Wasserburgenfahrten. Im September fand an der Hollicher Mühle ein Drachenflugturnier statt, im Oktober ein Brotbacken auf dem Hof Greiwe in Sellen. Beide Veranstaltungen werden in den Folgejahren regelmäßig angeboten .
Zu Beginn des Jahres 1990 bildet sich unter der Führung des neuen Schriftführers Wolfgang Lübbers eine Gruppe zur Betreuung des Stadtmuseums. In der Folgezeit arbeitete sie eine Reihe von Texten aus, die das Informationsangebot des Museums verbesserten.
Ende der 80er Jahre hatte sich unter Ute Kolk eine Kindergruppe gebildet, die zunächst sehr gut angenommen wurde. Nachdem Ute Kolk ausscheiden mußte, wurde die Gruppe von einem Team von sieben Personen geleitet, die 1990 ein reichhaltiges Programm boten. In den folgenden Jahren wuchs die Gruppe dank des Engagements von Annegret Arning sehr an. 1997 musste sie aus Personalgründen leider eingestellt werden.
Eine Reihe von Veranstaltungen, die zum Thema „Denkmalpflege“ angeboten wurden, fanden dagegen nur wenig Resonanz.
Ende des Jahres 1990 beschließt der Verein, sich für die Wiederherstellung des Süßen Brünnchens im Bagno einzusetzen. Im Lauf der weiteren Planungen ergibt sich jedoch, dass die dafür notwendigen Arbeiten die Kräfte des Heimatvereins überschreiten. Ebenso konnte hinsichtlich der nicht unbeträchtlichen Kosten keine Finanzierung erschlossen werden.
Ende 1990 nimmt der Verein das Projekt Niedermühle nachhaltig in Angriff. Nachdem 1992 mit dem Eigentümer ein Mietvertrag über 25 Jahre geschlossen wurde, konnten verschiedene Finanztöpfe angezapft werden. Die Mitglieder wurden zu einer jährlichen Sonderspende aufgerufen, die bis zur Eröffnung gezahlt wurde. 1995 konnten dann Handwerker im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ihre Tätigkeit aufnehmen. Am 27.04.1996 konnte schließlich die Einweihung gefeiert werden.
Am 23.04.1991 trat der Arbeitskreis zur Vorbereitung einer Festschrift zum Jubiläum „650 Jahre Stadtrechte Burgsteinfurt“ erstmals zusammen. Nach vielen konzeptionellen Erwägungen wurde schließlich beschlossen, die im Steinfurter Heimatboten vorliegenden Beiträge zur Stadtgeschichte redaktionell zu überarbeiten und zu einem Festbuch zusammenzustellen. Das Buch konnte rechtzeitig zum Jubiläum 1997 fertig gestellt werden. Wahrscheinlich wegen des hohen Preises fand es jedoch nicht die erhoffte Käuferzahl.
Im gleichen Jahr stellten Willi Alff und Gottfried Bercks ihre Schrift über Spieker in Burgsteinfurt vor, die in der städtischen Reihe der Steinfurter Schriften erschien.
Am ökumenischen Pfarrfest beteiligte sich der Heimatverein mit einer Hand getriebenen Münzpresse, die großen Anklang fand. Der Stand auf dem Stadtfest wurde dagegen nicht gut angenommen. Nach dem Erntedankfest wurde wiederum von vollem Erfolg gesprochen.
Das Stadtmuseum konnte 1993 durch die Aufstellung eines Bagno-Modells bereichert werden, das auf Initiative und auf Grund von Forschungen von Wolfgang Lübbers erstellt werden konnte. Die Finanzierung erfolgte aus Museumsmitteln.
Nach intensiven Vorbereitungen in Verbindung mit der Kreisverwaltung begann eine Gruppe um Willi Alff und Gottfried Bercks 1993 mit der Wiederaufstellung von Schnatsteinen. In den Folgejahren wurden auch wieder die Schnatgänge aufgenommen, bei denen die einzelnen Steine besichtigt wurden.
Zum Stadtfest 1993 ließ der Verein die Übersichtskarte zur Urkatasterkarte von 1828 drucken, die ca. 200mal verkauft werden konnte.
Im November 1993 beginnt der Verein mit der Veranstaltung von sog. „Herdfeuerabenden“, die im Kötterhaus im Kreislehrgarten stattfinden. Die Abende stehen jeweils unter einem Generalthema, unter dem historische und volkstümliche Bräuche und Gegebenheiten vorgestellt werden. Sie finden jeweils sehr großen Anklang.
Der Tod des Beiratsmitglieds Ernst Behrning am 13.04.1994 stellt die weitere Fortführung der Küerabende zunächst in Frage. Auf Grund seiner vielfältigen Kontakte und seines unermüdlichen Einsatzes war es ihm gelungen, in jedem Monat ein neues Thema vorzustellen und Referenten dafür zu finden. Unter der Führung von Heinz Epker werden die Küerabende künftig 3-4 Mal im Jahr durchgeführt.
Für das ökumenische Pfarrfest 1994 finanzierte der Heimatverein einen Kalender mit Burgsteinfurter Motiven, der gut verkauft wurde.
Da der sog. Posten 23 an der Bahnstrecke nach Gronau in Sellen von der Bundesbahn abgebrochen werden sollte, beschloss der Heimatverein die Rettung dieses Bahnwärterhäuschens. Da der Erhalt an gleicher Stelle nicht möglich war, wurde das Gebäude 1998 an die frühere Kleinbahnstrecke nach Metelen versetzt, wo sie den Radfahrern Gelegenheit zu einer Pause gibt. Die Einweihung konnte am 19.09.1999 gefeiert werden. Dieses Projekt war die erste Aufgabe der Werkgruppe des Heimatvereins, die sich am 9.10.1996 erstmals im dafür hergerichteten Keller der Niedermühle traf. Dort finden sich vor allem ältere Handwerker zusammen, die noch gemeinnützig tätig sein wollen.
In der Jahreshauptversammlung am 17.03.1998 erklärt Günther Hilgemann seinen Rücktritt als 1. Vorsitzender. Er hat sich große Verdienste vor allem um die Realisierung der Niedermühlen-Restaurierung erworben. Zu seinem Nachfolger wurde Hermann Hüging gewählt.
Zu Beginn des Jahres 1998 traf sich erstmalig die Frauengruppe des Heimatvereins, die unter der Leitung von Hannelore Raeker einen großen Aufschwung nahm. Ähnlich wie an den Küerabenden werden dort vielfältige Themen angesprochen, die keineswegs immer frauenspezifisch sind.
Im Februar 1999 musste Hermann Hüging aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als 1. Vorsitzender zurücktreten. In der Hauptversammlung am 27.04.1999 wurde der bisherige Schatzmeister, Hermann Lindhof, zu seinem Nachfolger gewählt.
Im Jahr 2001 konnte der Internetauftritt des Heimatvereins realisiert werden, der seitdem mit einer Homepage dort vertreten ist.
Auf Initiative von Gottfried Bercks traf sich im September 2001 unter der Leitung von Stadtarchivar und Beiratsmitglied Hans-Walter Pries erstmalig ein heimatgeschichtlicher Arbeitskreis, Er beschloss, künftig vor allem das ältere Handwerkswesen in der Stadt zu thematisieren. Es finden jährlich drei bis vier Veranstaltungen statt, die guten Zuspruch finden.
Der Festakt zum 75jährigen Bestehen des Vereins findet am 8.11.2002 in der Konzertgalerie im Bagno statt.