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Vereinshaus Niedermühle

Die Niedermühle, unser historisches Vereinsdomizil

Die Niedermühle in Burgsteinfurt
NiedermühleDie heute Niedermühle genannte Wassermühle an der Aa im Steinfurter Stadtteil Burgsteinfurt wird, obwohl in der Bausubstanz von 1697 noch gut erhalten, seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt.
Nunmehr hat es sich der Heimatverein Burgsteinfurt zur Aufgabe gemacht, eine Restaurierung zu initiieren und die Mühle im Rahmen einer sinnvollen Nutzung zu erhalten.
Sie wird erstmals im Jahr 1352 als "neue Mühle" erwähnt, wird jedoch bereits 1347 bestanden haben, da die Stadtrechtsverleihung aus diesem Jahr zwei Müller als Bürger aufführt. Die Bezeichnung "neu" hat sich bis ins 15. Jahrhundert hinein erhalten, denn wir kennen zwei Urkunden aus den Jahren 1385 und 1419, in denen die Mühle derartig bezeichnet wird. Damit ist auf jeden Fall klar, dass sie nach der Schlossmühle und vor 1347 durch die Edelherren von Steinfurt erbaut worden ist. Allgemein wird jedoch angenommen, dass sie nur wenige Zeit nach der Schlossmühle errichtet wurde. Dieser Ansicht kann nicht ohne weiteres gefolgt werden.
Beide Mühlen sind wichtige Eckpfeiler der mittelalterlichen Stadtbefestigung Burgsteinfurts. Die Lage der Burg ist sicher so gewählt, dass der Wasserlauf der Aa einen wesentlichen Teil des passiven militärischen Schutzes übernehmen sollte. Allerdings musste dazu der Lauf der Aa gestaut werden, denn das heute feststellbare für Gewässer verhältnismäßig hohe Gefälle von ca. 1 % zwischen dem Oberwasser der Schlossmühle und dem Unterwasser der Niedermühle ließ bei den geringen Wassermengen vor allem im Sommer keinen ausreichenden Schutz zu. Es lag sicherlich sehr nahe, die zunächst militärisch veranlassten Stauanlagen nebenher mit Hilfe einer Mühle wirtschaftlich zu nutzen.
Angesichts des hohen finanziellen und auch technischen Aufwandes erscheint es kaum wahrscheinlich, dass der Stau an der Niedermühle für die Errichtung der Mühle angelegt wurde. Vielmehr ist auch hier in erster Linie das militärische Interesse anzunehmen, die in Burgnähe entstehende Stadt durch ein Wasserhindernis passiv zu schützen. Diese Stadtentstehung wird von der Forschung frühestens jedoch etwa in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert, so dass für die Niedermühle dieser Zeitraum als Bauzeit angenommen werden muss.
1475 wird die Mühle erstmals unter dem Namen "Niedermühle" erwähnt. Auch in den folgenden Jahren berichten die Rechnungen des fürstlichen Rentamts laufend von Reparaturen und Einkünften der Niedermühle.

NiedermühleIm 17. Jahrhundert wurde die Mühle wohl durchgehend als Ölmühle benutzt. Dies muss man aus verschiedenen Nachrichten schließen, in denen einerseits von der Ölmühle die Rede ist, andererseits der Kontext eindeutig auf die Niedermühle verweist.
In der Nacht zum 16. Juli 1697 verbrannte die Mühle zu Schutt und Asche wie uns eine Inschrift an der östlichen Mühlenwand mitteilt. Hieraus und einer weiteren an der Straßenseite erfahren wir auch, dass Graf Ernst zu Bentheim und Steinfurt den sofortigen Wiederaufbau der Mühle veranlasste. die bereits am 29. September wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung stand. Der erhaltene Hauptbau stammt also aus diesem Jahr. Die schnelle Wiederherstellung ist auffällig.
1767 wird der Überfall (= Überlauf) des Stadtgrabens bei der Niedermühle repariert. Damit ist die bereits 1602 zum ersten Mal erwähnte Verbindung des Stadtgrabens gemeint, die aus dem Lauf der Aa oberhalb der Schlossmühle gespeist wurde und in Höhe der Niedermühle endete.
Bürgermeister Terberger berichtete im Jahr 1813, dass die Mühle zwei Mahlgänge besitze und einen Feuerversicherungswert von 1500 Reichstalern habe, und 1819 wurde den Müllern die Einhaltung einer bestimmten Mahlhöhe vorgeschrieben.
In einem vom Bürgermeister 1845 aufgestellten Mühlenbeschreibungs-Protokoll lesen wir: "Die Niedermühle desgleichen an der Aa mit 2 Wasserrädern und ebensoviel Mahlgängen. Mit einem der Mahlgänge ist eine Graupenmühle verbunden, die jedoch nur abwechselnd mit dem Mahlgang gebraucht wird. Sie hat ebenfalls in gewöhnlichen Jahren von Johanni (= 24. Juni) bis Michaelis (= 29. September) kein tägliches Mahlwasser."
In der Gewerbesteuerrolle für das Jahr 1864 heißt es: "Die Niedermühle an der Aa mit unterschlächtigen Wasserrädern und drei Mahlgängen... Das 1. Rad hat einen Mahlgang zu Roggen, einen zu Buchweizen und eine Graupenmühle, wovon die beiden letzteren jedoch nur abwechselnd damit gebraucht und daher nur zwei Mahlgänge bei der Besteuerung in Betracht gezogen werden können. "
Seit den 1890er Jahren hat die Firma Franz Rolinck die Mühle gepachtet und gibt sie an Unterpächter weiter. Sie nimmt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Wasser für den Betrieb von Dampfmaschinen in der Spinnerei aus der Aa.
1909 wird das alte Stauwerk durch ein Hochwasser weggeschwemmt und ein neues errichtet. 1923 wird nach einigen Streitigkeiten das Staurecht des Fürsten bestätigt.

NiedermühleNach dem 2. Weltkrieg wurde der Mühlenbetrieb eingestellt und das Staurecht 1957 an die Stadt übergeben. So konnte man über eine neue Nutzung des Gebäudes nachdenken. Zunächst war im Gespräch, ein Heim für das Deutsche Rote Kreuz dort einzurichten. Zwei Jahre später plante man die Einrichtung einer "Ostdeutschen Stube", für die sogar ein zusätzliches Geschoss vorgesehen war. 1961 werden diese Planungen zwar konkretisiert, ohne jedoch zu einem Abschluss zu gelangen.
Noch 1967 wird im Rat ein Antrag gestellt, die Mühle für die Deutsche Jugend des Ostens zur Verfügung zu stellen. Doch wurde den weiteren Planungen zunächst ein Riegel vorgeschoben, als es angesichts der fehlenden Nutzung und offenbar mangelnder Bauunterhaltung Ende März 1968 zum Einsturz des Mühlendaches kam. Aber schon im August begann unter Mithilfe der Demokratischen Arbeitsgruppe Burgsteinfurt, die zum großen Teil aus Arnoldinern bestand, dessen Renovierung. Seit dem Beginn der 70er Jahre laufen Planungen, die Brücke und das Stauwerk zu erneuern. Beides wurde 1975 fertiggestellt.
Bereits 1974 verkaufte der Fürst die Mühle an einen Privatmann, der sich in der Folgezeit stetig um die Unterhaltung des Gebäudes kümmerte. Er erneuerte das Dach und brachte im früheren Eingang der Mühle ein Kruzifix an, das von der Horstmarer Künstlerin Gertrud Büscher-Eilert geschaffen wurde und früher auf einem Grab auf dem katholischen Friedhof von Burgsteinfurt stand. 1978 renovierte er die mittlere Tür und brachte eine entsprechende Inschrift dort an.
1995 konnte der Heimatverein Burgsteinfurt nach 10jähriger Planung mit Zuschüssen des Landes und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung sowie Spenden der Bevölkerung und Wirtschaft die Mühle durchgreifend restaurieren und wieder ein lauffähiges Mühlenrad anbringen. Das Einmalige an diesem mächtigen Wasserrad sind wohl die gebogenen Eisenschaufeln, die noch aus dem Jahre 1909 stammen und die Zeit schadlos überdauert haben. Ein Mahlgang ist komplett installiert und voll funktionstüchtig.
Im April 1996 wurde die Niedermühle feierlich ihrer alten und neuen Bestimmung übergeben. Seitdem haben zahlreiche Besuchergruppen das Angebot des Heimatvereins genutzt und in behaglicher Atmosphäre gemütliche Stunden verbracht Der große beheizbare Kellerraum beherbergt die Männergruppe und die aktive Kindergruppe des Burgsteinfurter Heimatvereins.
Das Obergeschoss dient dem Heimatverein als Archiv- und Sitzungsraum. Toiletten und eine Teeküche runden die Nutzungsmöglichkeiten der Niedermühle ab.
Die Niedermühle des Heimatvereins kann während der Sommermonate (April bis September] jeden Samstag in der Zeit von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden, parallel zu den Besichtigungszeiten der Hollicher Windmühle. Der Eintritt ist frei. Weitere Führungen, auch von Schulklassen, können nach Vereinbarung organisiert werden.
Dieser Text wurde übernommen vom Faltblatt Niedermühle Burgsteinfurt: Informationen: Heimatverein Burgsteinfurt e.V.
Herausgeber: DER OBERKREISDIREKTOR des Kreises Steinfurt als Obere Denkmalbehörde
Steinfurt, im Dezember 1995
und
Bericht "altes Rad mit neuem Schwung" von Günther Hilgemann; erschienen im Steinfurter Kreisblatt 03. September 1997
Textbearbeitung: Willi Tebben